Logo Logo

Abschreibungsdauer für Computerhardware und Software kann ab 2021 auf ein Jahr reduziert werden

Die Abschreibungsdauer für Computerhardware, Peripheriegeräte sowie Betriebs- und Anwendersoftware kann ab 2021 auf ein Jahr reduziert werden.

Den Kernbereich der Digitalisierung bilden die Computerhardware und die dazu gehörenden Peripheriegeräte sowie Betriebs- und Anwendersoftware, welche einem raschen technischen Fortschritt unterliegen.

Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer, welche der Abschreibung nach § 7 Einkommensteuergesetz (EStG) zugrunde zu legen ist, wurde für diese Wirtschaftsgüter seit rund 20 Jahren nicht mehr geprüft und bedarf deshalb einer Anpassung an die geänderten tatsächlichen Verhältnisse.

Veröffentlicht hat dies das Bundesministerium mit dem folgenden Schreiben vom 26.02.2021: Nutzungsdauer von Computerhardware und Software zur Dateneingabe und -verarbeitung 

Wahlrecht Nutzungsdauer

Für die folgenden aufgeführten materiellen Wirtschaftsgüter „Computerhardware“ und die immateriellen Wirtschaftsgüter „Betriebs- und Anwendersoftware“ kann die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer auf ein Jahr reduziert werden.

Das Wort „Kann“ deutet auf ein Wahlrecht: Du kannst also ein Jahr ansetzen. Du kannst aber auch nach wie vor drei Jahre als Abschreibungsdauer nutzen.

Durch dieses Wahlrecht erhältst Du einen gewissen steuerlichen Gestaltungs-Spielraum. Hast Du ein gutes Jahr, bietet sich die kürzere Abschreibungsdauer an. Hast Du ein eher schlechtes Jahr gehabt, lohnt sich vielleicht die Verteilung der Abschreibung auf drei Jahre.

Uneinigkeit beim Wörtchen Kann

Bei der Interpretation des Wörtchens Kann gibt es unterschiedliche Meinungen. Deubner tenidert in diesem Artikel auch zu einem Wahlrecht. Haufe tendiert in diesem Artikel dazu, dass nur noch ein Jahr zulässig ist.

Gilt ab 2021

Die geänderte Abschreibungsdauer findet erstmals Anwendung in Gewinnermittlungen für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2020 enden.

Computerhardware

Der Begriff „Computerhardware“ umfasst Computer, Desktop-Computer, Notebook-Computer, Desktop-Thin-Clients, Workstations, Dockingstations, externe Speicher- und Datenverarbeitungsgeräte (Small-Scale-Server), externe Netzteile sowie Peripheriegeräte. Was unter den Begriffen genau zu verstehen ist, kann in dem Schreiben des Bundesministerium für Finanzen nachgelesen werden.

Software

Der Begriff „Software“ im Sinne dieses Schreibens erfasst die Betriebs- und Anwendersoftware zur Dateneingabe und -verarbeitung. Dazu gehören auch die nicht technisch physikalischen Anwendungsprogramme eines Systems zur Datenverarbeitung, sowie neben Standardanwendungen auch auf den individuellen Nutzer abgestimmte Anwendungen wie ERP-Software, Software für Warenwirtschaftssysteme oder sonstige Anwendungssoftware zur Unternehmensverwaltung oder Prozesssteuerung.

Anwendung in der Excel-Vorlage-EÜR

Wenn Du Computerhardware oder Software in der Excel-Vorlage-EÜR erfasst und wie bisher über 3 Jahre abschreiben möchtest, trägst Du in der Tabelle „Anlageverm“ bei „Nutzungsdauer laut AfA-Tabelle“ eine 3 ein.

Willst Du jedoch die neue Option von einem Jahr Nutzungsdauer anwenden, hast Du theoretisch zwei Optionen.

12 Monate Abschreibung

Du kannst die Computerhardware ebenfalls in der Tabelle „Anlageverm“ eintragen und bei Nutzungsdauer eine 1 für ein Jahr eintragen.

Beispiel: Wenn Du Computerhardware zum 01.07.2021 anschaffst, trägst Du diese erstmals in der Vorlage für das Wirtschaftsjahr 2021 ein. Diese wird dann 6 Monate in 2021 abgeschrieben (Juli bis Dezember). Für 2022 musst Du den Gegenstand erneut erfassen und die restlichen 6 Monate abschreiben (Januar – Juni).

Diese Option fühlte sich für mich recht naheliegend an, jedoch tendiere ich zu der folgenden.

100% Aufwand im Jahr der Anschaffung

Die andere Möglichkeit ist, die Computerhardware nicht in der Tabelle Anlageverm zu erfassen, sondern direkt in der Tabelle Ausg verbuchen und damit zu 100% im Jahr der Anschaffung geltend machen. Als Konto würde ich „laufende EDV-Kosten“ auswählen. Wichtig: Es ist kein Geringwertiges Wirtschaftsgut, daher ist das Konto „Geringwertige Wirtschaftsgüter“ nicht zutreffend.

Hintergrund: Abschreibungsregeln nach §7 EStG sind anzuwenden bei „Wirtschaftsgütern, deren Verwendung oder Nutzung … sich erfahrungsgemäß auf einen Zeitraum von mehr als einem Jahr erstreckt“. In dem BMF-Schreiben vom 26.02.2021 steht jedoch, dass die Nutzungdauer auf (genau) ein Jahr reduziert werden kann. Daher ist §7 EStG gar nicht anzuwenden. Daher kann der Gegenstand voll in den Aufwand gebucht werden.

Folgende Beiträge sehen dies auch so: Artikel bei Haufe, dieses YouTube-Video von LedererLaw oder dieses YouTube-Video von Steuerberater Gesierich (Danke Mirko für die Recherche)

Ich tendiere ebenfalls zu dieser Option.

Eure Meinungen zu den Uneinigkeiten

Solltet Ihr von Euren Steuerberatern Infos oder Meinungen zum Thema Wahlrecht haben oder zur Sofortabschreibung, könnt Ihr diese gerne in den Kommentaren mit mir und anderen Lesern teilen.

Hinterlasse einen Kommentar

4 Kommentare

    • Hallo Annette,
      ich deute das BMF-Schreiben so, dass evtl. Restbuchwerte komplett abgeschrieben werden können. In dem BMF-Schreiben steht unter Randziffer 6 folgendes:

      „Dieses Schreiben findet erstmals Anwendung in Gewinnermittlungen für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2020 enden. In Gewinnermittlungen nach dem 31. Dezember 2020 können die Grundsätze dieses Schreibens auch auf entsprechende Wirtschaftsgüter angewandt werden, die in früheren Wirtschaftsjahren angeschafft oder hergestellt wurden und bei denen eine andere als die einjährige Nutzungsdauer zugrunde gelegt wurde.“

      VG Pierre

  • Ich habe bei youtube geschaut und zur Umsetzung bisher NUR den SOFORTABZUG gefunden, also keine Abschreibung, sondern direkt als Aufwand buchen (vermute ich), z.B. hier wirds mit Gesetzes-Quelle (§ 7 Abs. 1 EStG) erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=PF2DtyLU_pQ&t=319s
    https://youtu.be/RSyURX-1Y_M?t=39 (auch mit Quelle EStG)
    https://youtu.be/LoXXqdPnWqI?t=86
    https://www.youtube.com/watch?v=zLF1yteFXRc
    Wie gesagt, ich vermute direkt als Aufwand buchen, also als Ausgabe in der Tabelle, oder? Und in welchen Bereich, GWG bei unter 800 € oder „übrige, unbeschränkt abziehbare Betriebsausgaben“ oder „laufende EDV-Kosten“?
    Viele Grüße, Mirko

    • Hallo Mirko,
      Danke für die Recherche. Erneut tolles Arbeiten mit Dir.
      Ich habe den Beitag angepasst und tendiere auch zum Verbuchen als Aufwand im Jahr der Anschaffung.
      Als Konto würde ich „laufende EDV-Kosten“ nehmen. GWG ist eher nicht passend.
      VG Pierre

Cover-Anleitung-Jahresabschluss

Meistere Deinen Jahresabschluss!

In dieser Anleitung leite ich Dich als Einzelunternehmer Schritt für Schritt durch die Einkommensteuererklärung, Einnahmenüberschussrechnung und Umsatzsteuer-Erklärung. Du lernst Handlungsspielräume kennen und kannst diese für Dein Unternehmen nutzen.


>> Jetzt Kostenlos herunterladen