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Kfz in der EÜR – Betriebsvermögen

So werden Kfz, die zum Betriebsvermögen gehören, in der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) mit der 1-Prozent-Regelung berücksichtigt.

Den Bereich Kfz in der EÜR habe ich auf Grund seiner Komplexität in 3 Teile aufgeteilt:

Teil 3: Kfz im Betriebsvermögen

Gehört Dein Kfz zum Betriebsvermögen,

  • machst Du Deine tatsächlichen Kfz-Kosten komplett inkl. Abschreibung als Betriebsausgabe geltend,
  • ermittelst Du den Nutzungswert für die private Kfz-Nutzung,
  • ermittelst Du die Umsatzsteuer auf den Nutzungswert für die private Kfz-Nutzung
  • reduzierst Du die Betriebsausgaben um den Aufwand, der für Wege zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte entsteht.

Im folgenden gehe ich auf diese Punkte ein. Die Berechnungen und Beispiele sind der folgenden Grafik zu entnehmen.

Unabhängig davon, ob Du ein Kfz hast oder es dem Privat- oder Betriebsvermögen zugeordnet wird, setzt Du die folgenden Ausgaben an, die ich in Kfz in der EÜR – Einstieg erläutere:

  • Ausgaben für Fahrten zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte (Entfernungspauschale)
  • Ausgaben für Fortbewegung durch Dritte (ÖPNV, Taxi, Zug)

Tatsächliche Kfz-Kosten

Erläuterung

Alle Ausgaben für Kraftfahrzeuge, die zum Betriebsvermögen gehören, setzt Du komplett als Betriebsausgabe an.

Die Betriebsausgaben müssen in die folgenden Ausgabe-Arten unterteilt werden:

  • Abschreibungen: AfA auf bewegliche Wirtschaftsgüter (Zeile 30 in EÜR 2016)
  • Leasingkosten (Zeile 59 in EÜR 2016)
  • Steuern, Versicherung und Maut (Zeile 60 in EÜR 2016)
  • Sonstige tatsächliche Fahrtkosten (Zeile 61 in EÜR 2016)
    • Reparaturen, Wartungen, Treibstoff, Reinigung

Beispiel 1

Das folgende Beispiel zieht sich mit Abwandlungen durch den ganzen Beitrag.

Vorsteuerabzugsberechtigter Unternehmer

Kfz-Bruttolistenpreis: 25.000 €
Netto-Anschaffungskosten: 21.000 €
Abschreibungsdauer: 6 Jahre

Abschreibung pro Jahr: Netto-Anschaffungskosten / Abschreibungsdauer
Abschreibung pro Jahr: 21.000 € / 6 Jahre
Abschreibung pro Jahr: 3.500 € / Jahr

Laufende Kfz-Ausgaben: 2.000 €

Gesamtaufwendungen: 5.500 €

In dem Jahr können 5.500 € als Betriebsausgabe berücksichtigt werden.

Private Kfz-Nutzung

Erläuterung

Geringerer Gewinn bedeutet geringeres zu versteuerndes Einkommen und entsprechend weniger zu zahlende Einkommensteuer. Gewinnreduzierung führt also zu Steuerreduzierung und ist für Dich als Steuerzahler prima. Für den Staat, der Steuern einnehmen möchte, ist dies nicht erstrebenswert.

Ausgaben, die betrieblich veranlasst sind, dürfen den Gewinn mindern. Die Ausgaben für Dein Kfz, welches zum Betriebsvermögen gehört, sind betrieblich veranlasst und stellen Betriebsausgaben dar.

Wenn Du das Firmenfahrzeug jedoch auch privat nutzt, sind die Betriebsausgaben nicht mehr ausschließlich betrieblich veranlasst. Die private Nutzung darf den Gewinn und damit Deine zu zahlende Einkommensteuer nicht mindern. Der Gewinn muss also korrigiert, genauer gesagt wieder angehoben werden. Dafür könnten die Betriebsausgaben reduziert oder die Betriebseinnahmen erhöht werden. Zweites ist der Fall. Die private Kfz-Nutzung stellt in der EÜR eine Betriebseinnahme dar und erhöht den Gewinn. Die private Kfz-Nutzung hat also eine „ausgleichende, korrigierende“ Wirkung.

In der Anleitung zur EÜR steht zu Private Kfz-Nutzung (Zeile 19 in EÜR 2016):

Nutzen Sie ein zum Betriebsvermögen gehörendes Fahrzeug auch zu privaten Zwecken, ist der private Nutzungswert als Betriebseinnahme zu erfassen.

Miet- und Leasing

Die Private Kfz-Nutzung gilt übrigens auch bei Leasing oder Mietfahrzeugen.

Methoden

Für die Ermittlung der privaten Kfz-Nutzung stehen 3 Methoden zur Verfügung, deren Anwendbarkeit davon abhängig ist, ob das Kfz zu mehr als 50% betrieblich genutzt wird:

  • Notwendiges Betriebsvermögen – betriebliche Nutzung > 50%
    • 1-Prozent-Regelung oder
    • Fahrtenbuchmethode
  • Gewillkürtes Betriebsvermögen – betriebliche Nutzung < 50%
    • Schätzung oder
    • Fahrtenbuchmethode

Nutzt Du Dein Fahrzeug zu weniger als 50% betrieblich, empfehle ich Dir, das Fahrzeug im Privatvermögen zu lassen und die Kilometerpauschale zu nutzen.

1-Prozent-Regelung VS Fahrtenbuchmethode

Die beiden Methoden für notwendiges Betriebsvermögen haben Vor- und Nachteile.

Vergleich-Fahrtenbuchmethode-1-Prozent-Regelung

Die 1-Prozent-Regelung punktet vor allem durch ihre Einfachheit. Ihr Nachteil ist, dass sie bei teuren Kfz und einer hohen betrieblichen Nutzung oft teurer kommt als die Fahrtenbuchmethode.

Trotz eventuell finanzieller Vorteile der Fahrtenbuchmethode erläutere ich im Folgenden lediglich die 1-Prozent-Regelung. Diese ist sehr einfach, entsprechend leicht anzuwenden und problemlos in Excel darzustellen. Daher ist sie die einzige Methode, die ich dauerhaft in der Excel-Vorlage-EÜR darstelle. Nutzt Du Dein Fahrzeug mehr als 50% betrieblich, empfehle ich Dir die 1-Prozent-Regelung.

Methodenwechsel

Du kannst die Methode zur Ermittlung der privaten Kfz-Nutzung zum Jahreswechsel oder mit der Anschaffung eines Kfz wechseln.

1-Prozent-Regelung

Des weiteren steht in der Anleitung zur EÜR zu Private Kfz-Nutzung (Zeile 19 in EÜR 2016):

Für Fahrzeuge, die zu mehr als 50 % betrieblich genutzt werden, ist grundsätzlich der Wert pauschal nach dem folgenden Beispiel (sog. 1 %-Regelung gem. § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG) zu ermitteln: Bruttolistenpreis x Kalendermonate x 1% = Nutzungswert (…) 

Bei der 1-Prozent-Regelung wird der private Nutzungswert also pauschal ermittelt. Als Basis dient der Bruttolistenpreis.

Berechnung

Privater Nutzungsanteil pro Monat = Bruttolistenpreis* 1%
Privater Nutzungsanteil pro Jahr = Bruttolistenpreis* 1% * 12 Monate

Beispiel 1

Bruttolistenpreis: 25.000 €
Kalendermonate: 12

Privater Nutzungsanteil pro Monat = Bruttolistenpreis * 1%
Privater Nutzungsanteil pro Monat = 25.000 € * 1%
Privater Nutzungsanteil pro Monat = 250 €
Privater Nutzungsanteil pro Jahr = 3.000 €

In Private Kfz-Nutzung wird 3.000 € eingetragen.

Kostendeckelung

Des weiteren steht in der Anleitung zur EÜR zu Private Kfz-Nutzung (Zeile 19 in EÜR 2016):

Begrenzt wird dieser Betrag durch die sog. Kostendeckelung (vgl. Ausführungen zu Zeile 63).

Die Kostendeckelung besagt, dass die Private Kfz-Nutzung nicht größer ist als die Gesamtaufwendungen. Somit wird gewährleistet, dass keine zu hohe Einkommensteuerbelastung entsteht.

Beispiel 1

Private Kfz-Nutzung: 3.000 €
Gesamtaufwendungen: 5.500 €

Da die Gesamtaufwendungen größer sind als die Private Kfz-Nutzung, greift die Kostendeckelung nicht.

In Private Kfz-Nutzung wird 3.000 € eingetragen.

Beispiel 2

In diesem abgewandelten Beispiel betragen die Gesamtaufwendungen nur noch 2.000 €.

Private Kfz-Nutzung: 3.000 €
Gesamtaufwendungen: 2.000 €

Da die Private Kfz-Nutzung größer ist als die Gesamtaufwendungen, greift die Kostendeckelung. Die Privat Kfz-Nutzung beträgt durch die Kostendeckelung nur noch 2.000 €.

In Private Kfz-Nutzung wird 2.000 € eingetragen.

Umsatzsteuer auf private Kfz-Nutzung

Die Private Kfz-Nutzung unterliegt der Umsatzsteuer bei vorsteuerabzugsberechtigten Unternehmern. Unternehmer, die nicht vorsteuerabzugsberechtigt sind, müssen für die Kfz-Nutzung keine Umsatzsteuer berechnen.

Da jedoch nicht auf alle Kfz-Kosten Umsatzsteuer erhoben wird (bspw. Versicherung, Steuern), wird nur ein Teil der Privaten Kfz-Nutzung mit der Umsatzsteuer belastet.

Wurde die Private Kfz-Nutzung pauschal mit der 1-Prozent-Regelung ermittelt, können für die Ermittlung der Umsatzsteuer die folgenden zwei Methoden zum Einsatz kommen:

  • pauschal
  • sachgerechte Schätzung

Aus Gründen der Einfachheit empfehle ich die pauschale Methode und erläutere die sachgerechte Schätzung nicht. In der Excel-Vorlage-EÜR wird nur die pauschale Ermittlung der Umsatzsteuer unterstützt.

Pauschal

Dazu steht des weiteren in der Anleitung zur EÜR zu Private Kfz-Nutzung (Zeile 19 in EÜR 2016):

Für Umsatzsteuerzwecke kann aus Vereinfachungsgründen von dem Nutzungswert für die nicht mit Vorsteuern belasteten Kosten ein Abschlag von 20 % vorgenommen werden. Die auf den restlichen Betrag entfallende Umsatzsteuer ist in Zeile 16 mit zu berücksichtigen.

Das heißt für 80% des Nutzungswertes muss die Umsatzsteuer abgeführt werden. Die Umsatzsteuer ist unter Umsatzsteuer auf unentgeltliche Wertabgaben einzutragen (Zeile 16 in EÜR 2016).

Beispiel 1

Privater Nutzungsanteil umsatzsteuerfrei = Privater Nutzungsanteil * 20%
Privater Nutzungsanteil umsatzsteuerfrei = 3.000 € * 20%
Privater Nutzungsanteil umsatzsteuerfrei = 600 €

Privater Nutzungsanteil umsatzsteuerpflichtig = Privater Nutzungsanteil * 80%
Privater Nutzungsanteil umsatzsteuerpflichtig = 3.000 € * 80%
Privater Nutzungsanteil umsatzsteuerpflichtig = 2.400 €

Umsatzsteuer = Privater Nutzungsanteil umsatzsteuerpflichtig * Umsatzsteuer-Satz
Umsatzsteuer = 2.400 € * 19%
Umsatzsteuer = 456 €

Betriebsausgaben-Reduzierung um Aufwendungen für Wege zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte

Aufwendungen für Wege zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte können nur eingeschränkt wie Betriebsausgaben abgezogen werden (vgl. BMF-Schreiben vom 23.12.2014, BStBl 2015 I S. 26). Grundsätzlich darf nur die Entfernungspauschale als Betriebsausgabe berücksichtigt werden. Deshalb werden unter Kraftfahrzeugkosten für Wege zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte; Familienheimfahrten (pauschaliert oder tatsächlich – Zeile 63 in EÜR 2016) zunächst die tatsächlichen Aufwendungen, die auf Wege zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte entfallen, eingetragen. Sie mindern die tatsächlich ermittelten Gesamtaufwendungen (Beträge aus Zeilen 59 bis 61 zuzüglich AfA).

Zu Kraftfahrzeugkosten für Wege zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte; Familienheimfahrten steht in der Anleitung zur EÜR geschrieben (Zeile 63 in EÜR 2016):

Nutzen Sie ein Fahrzeug für Fahrten zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte, für das die Privatnutzung nach der 1 %-Regelung ermittelt wird (…), ist der Kürzungsbetrag wie folgt zu berechnen: 0,03 % des Listenpreises x Kalendermonate der Nutzung für Wege zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte x einfache Entfernung (km) zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte (…)

Beispiel

Bruttolistenpreis: 25.000 €
Entfernung Wohnung – 1. Betriebsstätte: 20 KM

Aufwand: 0,03% * Bruttolistenpreis *  Kalendermonate * einfache Entfernung
Aufwand: 0,03% * 25.000 € *  12 * 20
Aufwand: 1.800 €

Kostendeckelung

Des weiteren steht zu Kraftfahrzeugkosten für Wege zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte; Familienheimfahrten in der Anleitung zur EÜR geschrieben:

Es ist höchstens der Wert einzutragen, der sich aus der Differenz der tatsächlich ermittelten Gesamtaufwendungen (Beträge aus den Zeilen 59 bis 61 zuzüglich AfA und Zinsen) und der Privatentnahme (Betrag aus Zeile 19) ergibt (sog. Kostendeckelung).

Die Kostendeckelung besagt, dass der Aufwand für Wege zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte nicht größer sein darf, als der Betrag, der nach Abzug der Privaten Kfz-Nutzung von den Gesamtaufwendungen übrig bleibt. Somit wird gewährleistet, dass keine zu hohe Einkommensteuerbelastung entsteht.

Beispiel 1

Gesamtaufwendungen: 5.500 €
Private Kfz-Nutzung:

  • ermittelt: 3.000 €
  • einzutragen: 3.000 €

Differenz: 2.500 €

Aufwendungen für Wege zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte:

  • ermittelt: 1.800 €
  • einzutragen: 1.800 (da die Aufwendungen größer sind als die Differenz, greift die Kostendeckelung nicht)

In Zeile 63 wird 1.800 € eingetragen.

Beispiel 2

Gesamtaufwendungen: 2.000 €
Private Kfz-Nutzung:

  • ermittelt: 3.000 €
  • einzutragen: 2.000 €

Differenz: 0 €

Aufwendungen für Wege zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte:

  • ermittelt: 1.800 €
  • einzutragen: 0 (da die Aufwendungen größer sind als die Differenz, greift die Kostendeckelung)

In Zeile 63 wird 0 € eingetragen.

Beispiel 3

Gesamtaufwendungen: 3.500 €
Private Kfz-Nutzung:

  • ermittelt: 3.000 €
  • einzutragen: 3.000 €

Differenz: 500 €

Aufwendungen für Wege zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte:

  • ermittelt: 1.800 €
  • einzutragen: 500 (da die Aufwendungen größer sind als die Differenz, greift die Kostendeckelung)

In Zeile 63 wird 500 € eingetragen.

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Keine Steuerberatung

Dieser Beitrag stellt lediglich meine Sicht der Dinge und keine Steuerberatung dar. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Die Verwendung der Informationen erfolgt auf Deine eigene Gefahr. Bitte kontaktiere bei Unklarheiten das Finanzamt oder einen Steuerberater. Bitte berücksichtigte auch, dass sich im Steuerrecht durch Gesetzgebung und Rechtssprechung regelmäßig etwas ändert.

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