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Kfz in der EÜR – Einstieg

Lerne die Behandlung von Kfz in der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) kennen.

Den Bereich Kfz in der EÜR habe ich auf Grund seiner Komplexität in 3 Teile aufgeteilt:

Teil 1: Einstieg

Übersicht

Im Bereich Kraftfahrzeugkosten gibt es in der EÜR grundsätzlich die folgenden Betriebsausgaben-Bereiche:

Unabhängig davon, ob Du ein Kfz hast oder welchem Vermögensbereich es zugeordnet wird:

  • Ausgaben für Fahrten zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte (Entfernungspauschale)
  • Ausgaben für Fortbewegung durch Dritte (ÖPNV, Taxi, Zug)

Abhängig davon, welchem Vermögensbereich Dein Kfz zugeordnet wird:

  • Ausgaben für Kraftfahrzeuge, die zum Betriebsvermögen gehören
  • Ausgaben für Kraftfahrzeuge, die zum Privatvermögen gehören

Ausgaben für Fahrten zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte (Entfernungspauschale)

Die Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte (erster Betriebsstätte) und Familienheimfahrten stellen keine Dienstreise dar und können nur eingeschränkt wie Betriebsausgaben abgezogen werden (vgl. BMF-Schreiben vom 23.12.2014, BStBl 2015 I S. 26).

Die Entfernungspauschale wird unter Mindestens abziehbare Kraftfahrzeugkosten für Wege zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte (Entfernungspauschale); Familienheimfahrten eingetragen.

In der Anleitung zur Anlage EÜR 2016 steht zu Zeile 64 geschrieben:

Unabhängig von der Art des benutzten Verkehrsmittels sind die Aufwendungen für die Wege zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte und für Familienheimfahrten nur in Höhe der folgenden Pauschbeträge abziehbar (Entfernungspauschale): Arbeitstage, an denen die erste Betriebsstätte aufgesucht wird x 0,30 €/ km der einfachen Entfernung zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte. Bei Familienheimfahrten sowie bei Fahrten zu einem weiträumigen Tätigkeitsgebiet oder einem betrieblichen Sammelpunkt beträgt die Entfernungspauschale ebenfalls 0,30 € je Entfernungskilometer (Randnummer 7 des BMF-Schreibens vom 23.12.2014, BStBl 2015 I S. 26). Die Entfernungspauschale gilt nicht für Flugstrecken. Die Entfernungspauschale darf höchstens 4.500 € im Kalenderjahr betragen. Ein höherer Betrag als 4.500 € ist anzusetzen, soweit Sie ein eigenes oder zur Nutzung überlassenes Kfz benutzen oder die Aufwendungen für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel den als Entfernungspauschale abziehbaren Betrag übersteigen.

Berechnungs-Beispiel

Es können 0,30 € pro Entfernungskilometer (einfache Strecke) für jeden Arbeitstag als Betriebsausgabe angesetzt werden.

Entfernung Wohnung – 1. Betriebsstätte: 20 KM
Arbeitstage pro Jahr: 220

Entfernungspauschale: 20 KM / Tag * 0,30 € / KM * 220 Tage / Jahr
Entfernungspauschale: 1.320 € / Jahr

Erste Betriebsstätte

Wie die erste Betriebsstätte definiert ist und diverse Beispiele lernst Du in dem Beitrag Erste Betriebsstätte.

Ausgaben für Fortbewegung durch Dritte

Ausgaben für Fortbewegung durch Dritte (Taxi, Flugzeug, Bahn, ÖPNV) kannst Du voll als Betriebsausgabe ansetzen.

Du trägst sie in das Feld Sonstige tatsächliche Fahrtkosten ohne AfA und Zinsen (z. B. Reparaturen, Wartungen, Treibstoff, Kosten für Flugstrecken, Kosten für öffentliche Verkehrsmittel) ein. In der EÜR 2016 ist dies Zeile 61.

Ausgaben für Fahrzeuge, die zum Privat- oder Betriebsvermögen gehören

Dein Kfz stellt entweder Privatvermögen oder Betriebsvermögen dar. Abhängig von dieser Zuordnung ergeben sich unterschiedliche Folgen. Als erster Schritt muss daher ermittelt werden, ob Dein Kfz zum Privat- oder Betriebsvermögen gehört.

Die folgende Grafik veranschaulicht die 5 Methoden in den 2 Vermögens-Bereichen.

Privatvermögen

Nutz Du Dein Kfz weniger als 10% betrieblich, ist es zwangsläufig Privatvermögen.

Nutzt Du das Kfz zu mindestens 10% aber weniger als 50% betrieblich, hast Du ein Wahlrecht. Du kannst das Kfz dem Betriebs- oder Privatvermögen zuordnen.

Für die Berechnung des Anteils sind alle Fahrten relevant, die betrieblich veranlasst sind, also im Zusammenhang mit dem Betrieb stehen. Familienheimfahrten und Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb sind betriebliche veranlasst und gehören dazu.

Folgen

Gehört Dein Kfz zum Privatvermögen oder hast Du kein Kfz,

  • setzt Du für Dienstreisen Fahrtkosten für nicht zum Betriebsvermögen gehörende Fahrzeuge an (Kilometerpauschale oder anteilige, tatsächliche Aufwendungen).

Betriebsvermögen

Es gib 2 Arten von Betriebsvermögen: notwendiges und gewillkürtes.

Notwendiges Betriebsvermögen

Nutzt Du das Kfz zu mindestens 50% betrieblich, stellt es sogenanntes notwendiges Betriebsvermögen dar.

Gewillkürtes Betriebsvermögen

Nutzt Du das Kfz zu mindestens 10% aber weniger als 50% betrieblich, hast Du ein Wahlrecht. Du kannst das Kfz dem Betriebs- oder Privatvermögen zuordnen. Ordnest Du das Kfz dem Betriebsvermögen zu, wird es zum sogenannten gewillkürten Betriebsvermögen.

Folgen

Gehört Dein Kfz zum Betriebsvermögen,

  • machst Du Deine tatsächlichen Ausgaben für das Kfz inkl. Abschreibung komplett als Betriebsausgabe geltend,
  • reduzierst Du die Betriebsausgaben um den Aufwand, der für Wege zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte entsteht,
  • ermittelst Du den Nutzungswert für die private Kfz-Nutzung,
  • ermittelst Du die Umsatzsteuer auf den Nutzungswert für die private Kfz-Nutzung.

Darstellung gegenüber dem Finanzamt

Ob das Kfz Privat- oder Betriebsvermögen ist, musst Du im Falle einer Betriebsprüfung gegenüber dem Finanzamt glaubhaft machen, sofern es nicht offensichtlich ist (Bspw. Taxiunternehmen, Handelsvertreter). Daher solltest Du für einen repräsentativen Zeitraum von 3 Monaten Deine betriebliche Fahrten sowie die gesamt gefahrenen Kilometer erfassen. Diese Aufzeichnungen gelten auch für die Zukunft, es sei denn Dein Fahrverhalten ändert sich auf Grund neuer betrieblicher Strukturen; dann musst Du die Aufzeichnungen wiederholen.

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Keine Steuerberatung

Dieser Beitrag stellt lediglich meine Sicht der Dinge und keine Steuerberatung dar. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Die Verwendung der Informationen erfolgt auf Deine eigene Gefahr. Bitte kontaktiere bei Unklarheiten das Finanzamt oder einen Steuerberater. Bitte berücksichtigte auch, dass sich im Steuerrecht durch Gesetzgebung und Rechtssprechung regelmäßig etwas ändert.

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