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HomeOffice-Pauschale gilt auch für Selbständige

Die HomeOffice-Pauschale in Höhe von 5 EUR / Tag kannst Du auch als (nebenberuflich) Selbständiger nutzen.

Im Jahressteuergsetz 2020 wurde am 21.12.2020 unter anderem festgelegt, dass der § 4 Absatz 5 Satz 1 Nummer 6b (häusliches Arbeitszimmer) geändert wird. Diese Änderung (folgend fett hervorgehoben) soll, laut aktuellem Stand, für 2020 und 2021 gelten und führt dazu, dass § 4 Absatz 5 Satz 1 EStG Nummer 6b nun wie folgt lautet:

Die folgenden Betriebsausgaben dürfen den Gewinn nicht mindern:
Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sowie die Kosten der Ausstattung. 2Dies gilt nicht, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. 3In diesem Fall wird die Höhe der abziehbaren Aufwendungen auf 1 250 Euro begrenzt; die Beschränkung der Höhe nach gilt nicht, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet. 4Liegt kein häusliches Arbeitszimmer vor oder wird auf einen Abzug der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nach den Sätzen 2 und 3 verzichtet, kann der Steuerpflichtige für jeden Kalendertag, an dem er seine betriebliche oder berufliche Tätigkeit ausschließlich in der häuslichen Wohnung ausübt und keine außerhalb der häuslichen Wohnung belegene Betätigungsstätte aufsucht, für seine gesamte betriebliche und berufliche Betätigung einen Betrag von 5 Euro abziehen, höchstens 600 Euro im Wirtschafts- oder Kalenderjahr;

Können Selbständige die HomeOffice-Pauschale nutzen?

Leider ist in den meisten Berichten der gängigen Steuer- und Wirtschafts-Websites primär von Angestellten und Werbekosten die Rede. Und nicht von Selbständigen. Es ist schwer, etwas zuverlässiges zu dem Thema zu finden.

Aus den folgenden Gründen bin ich jedoch der Meinung, dass die Pauschale auch für Selbständige gilt.

  • In dem obigen Gesetzestext bezieht sich der Satz 4 auf die HomeOffice-Pauschale. Hier wird das Wort Steuerpflichtige verwendet. Dies deutet darauf hin, dass es sich nicht nur um Arbeitnehmer handelt, sondern um alle Steuerpflichtigen. Also auch um Selbständige.
  • Der § 4 EStG trägt die Überschrift „Gewinnbegriff im Allgemeinen“. Das Wort Gewinn wird im Einkommensteuergesetz für die Einkunftsarten Gewerbebetrieb, selbstständige Arbeit sowie Land- und Forstwirtschaft verwendet. Bei nicht selbständiger Arbeit (Angestellt) ist hingegen von Einkünften die Rede (Siehe Grafik im Exkurs ESt). Im § 4 werden Themen wie Verpflegungmehraufwendungen, Bewirtungsaufwendungen oder Geschenke behandelt, die ebenfalls für Selbständige gelten. Dass der neue Satz nur für Angestellte gelten soll, ist unplausibel.
  • Ich habe am 11.01.21 bei meinem zuständigen Finanzamt telefonisch nachgefragt. Die Mitarbeiterin meinte, dass sie selbst erst einmal „googlen“ musste, da das Thema noch recht jung ist. Laut Ihrer Aussage, scheint die HomeOffice-Pauschale auch für Selbständige zu gelten, da im Gesetzestext von „Steuerpflichtigen“ die Rede ist. Verbindlich ist die Aussage aber nicht.

Voraussetzungen für die Nutzung der HomeOffice-Pauschale als Selbständiger

Damit Du als Selbständiger die HomeOffice-Pauschale nach Satz 4 nutzen kannst, musst Du auf Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer verzichten. Du kannst die Pauschale für jeden Tag nutzen, an dem Du Deine Tätigkeit ausschließlich in der häuslichen Wohnung ausübst und keine Betriebsstätte aufsuchst. Die Pauschale ist auf 600 € pro Jahr begrenzt. Dies entspricht 120 Tagen a 5 EUR / Tag.

Setzt Du also bereits ein häusliches Arbeitszimmer ab, kannst Du die Pauschale nicht zusätzlich nutzen.

HomeOffice-Pauschale in EÜR eintragen

Im Telefonat mit dem Finanzamt fragte ich nach, wo ich die Pauschale in der Einnahmen-Überschuss-Rechnung eintragen muss. Die Mitarbeiterin war sich unsicher und schlug „Sonstige beschränkt abziehbare Betriebsausgaben“ (Zeile 71 in Anlage EÜR 2020) vor. Dies ist auch die Kostenart, die ich als passend empfinde.

HomeOffice-Pauschale als nebenberuflich Selbständiger nutzen

Steuerberater Daniel Reich sagt im Interview mit Gründerlexikon: „Auch nebenberuflich Selbständige profitieren von der Homeoffice-Pauschale. Voraussetzung ist aber, dass der Steuerpflichtige den ganzen Tag ausschließlich in der häuslichen Wohnung gearbeitet hat.  … Wer hingegen morgens in die Firma fährt und nachmittags im Homeoffice arbeitet, kann die Homeoffice-Pauschale nicht ansetzen. Fährt man aber an einem Tag in die Firma und arbeitet an einem anderen Tag ausschließlich im Homeoffice, gibt es für diesen Tag die pauschalen fünf Euro.“

Keine Steuerberatung

Dieser Beitrag stellt lediglich meine Sicht der Dinge und keine Steuerberatung dar. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Die Verwendung der Informationen erfolgt auf Deine eigene Gefahr. Bitte kontaktiere bei Unklarheiten das Finanzamt oder einen Steuerberater. Bitte berücksichtigte auch, dass sich im Steuerrecht durch Gesetzgebung und Rechtssprechung regelmäßig etwas ändert.

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10 Kommentare

  • Vielen Dank für den interessanten Einblick.

    Wie stehst Du zu folgendem Sachverhalt:

    Ich übe eine nebenberufliche, selbstständige Tätigkeit aus, welche ich generell nur zu Hause („am Küchentisch“) oder direkt beim Kunden ausübe.

    Während Corona erfolgte die Tätigkeit, im reduzierten Umfang, aber nur noch von zu Hause aus.

    Für meinen Hauptjob bin ich auch während Corona normal in den Betrieb gefahren.
    Mein Nebengewerbe habe ich dann (wie bisher auch) am Abend oder Wochenende von zu Hause aus ausgeübt.

    Kann ich für mein Nebengewerbe die Homeoffice-Pauschale geltend machen?
    – Obwohl ich auch vor Corona oft nur von zu Hause aus gearbeitet habe
    – Obwohl ich am gleichen Tag meinen Haupterwerbe außerhalb der Wohnung nachgegangen bin?
    – Wenn vorhergehender Punkt verneint wird, kann ich die Pauschale dann zumindest für Samstag oder Sonntage, an welchen ich daheim gearbeitet habe, geltend machen?

    Sehr verzwickt das Ganze und über eine kurze und unverbindliche Einschätzung Deinerseits würde ich mich freuen.

    Dankeschön,
    Jörg

    • Hallo Jörg,
      ich vermute, dass Du die Pauschale nutzen kannst, auch wenn Du vor Corona am Küchentisch gearbeitet hast.
      Wenn Du an dem Tag aber außerhalb gearbeitet hast, ist die Pauschale wahrscheinlich nicht nutzbar. Denn dann warst Du ja nicht ausschließlich zu Hause.
      Für Samstag und Sonntag spricht meiner Meinung nach nichts dagegen. Aber wie gesagt, ich bin kein Steuerberater.
      VG Pierre

  • Hallo! Was ich bisher noch nirgends zur Pauschale gefunden habe: wie ist es mit Freiberuflern, die sowieso ausschließlich zu Hause arbeiten, also gar keine Betriebsstätte haben? Ich bin Texterin und nur ganz selten bei Kunden vor Ort, zB in Praxen oder Kanzleien, um die Anforderungen zu besprechen. Kann ich da die Pauschale dennoch nutzen? LG

    • Hallo Chloe,

      ich gehe davon aus. Der Gedanke hinter der Pauschale ist, dass im HomeOffice Kosten entstehen für bspw. Heizung und Strom, die man dem Arbeitnehmer nicht zumuten wollte. Für uns Selbständige ist dies nichts neues. Aber nun können wir diese Kosten auch berücksichtigen.

      Im Text oben steht:
      „… kann der Steuerpflichtige für jeden Kalendertag, an dem er seine betriebliche oder berufliche Tätigkeit ausschließlich in der häuslichen Wohnung ausübt und keine außerhalb der häuslichen Wohnung gelegene Betätigungsstätte aufsucht …“
      Wenn Du immer im Home-Office bist, arbeitest Du ja in der häuslichen Wohnung und besuchst keine Betriebsstätte. ABER: Die Frage ist, ob die Betriebsstätte außerhalb der Wohnung grundsätzlich vorhanden sein muss. Davon gehe ich aber nicht aus. Bin aber nicht sicher. Bin kein Steuerberater.

      Wenn Du hier andere Infos hast oder noch findest, würde ich mich freuen, wenn Du diese mit mir / uns teilst.
      Freue mich über Rückmeldung.

      VG Pierre

  • Hallo Pierre,

    ich bin nebenberuflich selbstständig (die Tätigkeit wird ausschließlich im Homeoffice ausgeführt), brauche jedoch wegen meines geringen Gewinns keine EÜR beim Finanzamt einreichen, sondern nur die Höhe des Gewinns angeben.
    Nun habe ich folgende Fragen:
    – Kann ich die Homeoffice-Pauschale selstständig bei meiner Gewinnermittlung von meinen Einnahmen abziehen?
    – Gilt hier auch der Pauschbetrag von 1000€, also kann ich die Homeoffice-Pauschale nur dann von meinen Einnahmen abziehen, wenn die Werbungskosten 1000€ übersteigen?
    – Zur Berechnung der Homeoffice-Pauschale: Wenn ich die Tätigkeit z.B. an 50 Tagen für jeweils 4 Stunden ausgeführt habe, kann ich die Homeoffice-Pauschale dann mit 5€ mal 50 Tage berechnen oder nur mit 2,50€ mal 50 Tage, da ich nur 4 statt 8 Stunden gearbeitet habe?

    Vielen Dank für deine Weiterhilfe!

    • Hallo Dunya,
      dass man als Unternehmer keine EÜR abgeben muss, weil der Gewinn so gering ist, ist mir völlig neu und ich kann es nicht so richtig glauben. Da ja auch eine EÜR abgegeben werden muss, wenn ein Betriebs-Ergebnis negativ ist. Vielleicht verwechselst Du es mit der Pflicht zur elektronischen Übermittlung, die grundsätzlich für jeden gilt, der eine EÜR abgibt. Du kannst bei geringen Einnahmen von der Härtefall-Regelung gebrauch machen. Aber abgeben musst Du die EÜR trotzdem, eben nur nicht elektronisch.

      Nun zu Deinen Fragen:
      – Die Homeoffice-Pauschale ist eine Betriebsausgabe und Du musst sie bei der Gewinnermittlung von Deinen Einnahmen abziehen.
      – Die 1.000 € Pauschbetrag heißen Werbungskosten und sind aus der Einkunftsart „Einkommen aus nichtselbständiger Tätigkeit“. Also aus dem Angestelltendasein. Dieser Pauschbetrag steht Dir als selbständiger nicht zur Verfügung. Anders ist dies, wenn Du als Angestellter im Homeoffice bist. Aber das sprengt den Rahmen.
      – Soweit mir bekannt, kannst Du die Pauschale für jeden Tag nutzen, an dem Du Deine Tätigkeit ausschließlich in der häuslichen Wohnung ausübst und keine Betriebsstätte aufsuchst. Eine Mindestarbeitsdauer lese ich da nicht raus.

      Ich hoffe, ich konnte helfen.
      VG Pierre

    • Hallo Pierre,

      ganz vielen Dank für deine schnelle hilfreiche Antwort!
      Ich bin noch recht neu in der Materie und kenne mich noch nicht so gut aus.

      Nun ist mir noch eine Frage gekommen:
      Darf ich in meiner Gewinnermittlung zusätzlich zur Homeoffice-Pauschale auch noch die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer als Ausgaben von meinen Einnahmen abziehen? Oder sind diese Kosten bereits durch die HomeofficePauschale abgedeckt?

      Ganz herzlichen Dank für deine Weiterhilfe!

  • Hi Pierre,
    Danke für den Hinweis – hab ich sofort versucht in meiner Buchhaltung unterzubringen.
    Weißt Du zufällig, welches Buchungskonto man beim SKR03 nehmen muss/kann? Bin mir etwas unsicher…

    Viele Grüße
    Heike

    • Hey Heike,
      in der EÜR ist es „Sonstige beschränkt abziehbare Betriebsausgaben“. Ob es dies beim SKR03 auch gibt, kann ich Dir nicht sagen. Aber ich würde es vermuten.
      Liebe Grüße … Pierre

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